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Preisverleihung der Bobs Awards in Bonn


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Auf dem Siegerfoto ist er nicht dabei und auch den Preis kann er nur mit dem Rücken zum Publikum an sich nehmen. Fotos sind verboten – zu groß ist die Angst, in Bangladesch erkannt zu werden. Damit könnte sich die Tür zur Heimat für immer verschließen. “Ich bin stolz und dankbar für den Preis. Ich möchte ihn an all den getöteten Blogger in Bangladesch widmen”, so Nastiker Dharmakata auf der Bühne der diesjährigen Preisverleihung der Bobs Awards auf dem Global Media Forum in Bonn.

Dharmakatha – auch Name ist aus Sicherheitsgründen ein Pseudonym – setzte sich in der Kategorie Bürgerjournalismus durch. Seine Dokumentation “Razor’s Edge” zeigt die gefährliche Situation von regimekritischen Bloggern und Schriftstellern in Bangladesch. Seit mehr als einem Jahr wird das Land von einer brutalen Mordserie an Bloggern und Autoren erschüttert, die es wagen, den Islamismus zu kritisieren. Dharmakatha erhielt Drohungen von Islamisten und von der Regierung. Vor einem halben Jahr floh er mit seiner Familie und seinen Kindern ins Exil nach Europa. “Ich vermisse mein Zuhause, die Kultur, die Sprache, alles. Aber wer etwas bewegen will, der muss auch Opfer bringen.”

Wandel im Kleinen und im Großen

Er ist damit nicht allein: So ehrte die DW vier Menschen, die sich in besonderer Weise für Meinungsfreiheit und Gleichberechtigung engagierten. Zwei der Preisträger konnten persönlich nicht erscheinen. In der Kategorie “Tech For Good” zeichnete die 14-köpfige internationale Jury die persische Smartphone-App “Gershad” aus. Dabei handel es sich um eine Smartphone-Applikation, die als Frühwarnsystem vor der Sittenpolizei des Landes warnt. “Die Polizei sollte eigentlich unsere Interessen schützen. Stattdessen ist sie ein Instrument des Staates geworden”, ließ der Preisträger in einer geschrieben Botschaft mitteilen.

“Wandel ist immer so ein großes Wort, aber wir können vor allem im Kleinen etwas tun”, sagte der Preisträger in der Kategorie “Social Change” mit zittriger Stimme auf die Frage des Moderators nach seiner Ehefrau. Alok Dixit aus Indien hat sich während seines Einsatzes für die Opfern von Säureattacken verliebt. Mittlerweile haben die beiden ein Kind. Säureattacken sind in Indien ein Tabuthema. Dixit hat eine Austausch-Plattform etabliert und den Betroffenen damit ein Forum gegeben. Ein Treffpunkt wurde ins Leben gerufen, wo sich Opfer auch tatsächlich begegnen. “Wenn du den Menschen die Kraft und die Macht gibst, dann gehen sie den Weg danach alleine weiter“, so Dixit.

Überraschungsauftritt von Bassem Youssef

Der Preis in der Kategorie “Arts and Culture” ging an das Zentrum für politische Schönheit in Berlin. Die Jury begründete diesen Schritt mit der innovativen Form, in der sich die Aktivisten Gehör verschaffen. So haben sie in provokanten Aktionen auf die Flüchtlingspolitik Europas und die deutsche Waffenexporte nach Saudi-Arabien aufmerksam gemacht. Momentan arbeiten sie daran 1000 Rettungsinseln auf der Flüchtlingsroute im Mittelmeer anzubringen und konnten deshalb den Preis nicht persönlich entgegennehmen.

Anwesend auf der Preisverleihung war auch der ägyptische Fernsehmoderator und Satiriker Bassem Youssef, der seine Arbeit in Ägypten wegen massiver Drohung einstellen musste. “Die Gewinner der Bobs sind eine Inspiration für alle. Sie sind ein Beispiel dafür, dass man etwas tun kann und der Preis ist ein Zeichen, dass es dafür auch Anerkennung gibt.”, so Youssef vor seinem Auftritt im Interview mit der DW. Auf der Bühne nutze er den Augenblick und appellierte auch an die westlichen Regierungen die eigenen Werte hochzuhalten und die Zusammenarbeit mit nicht demokratischen Regierungen zu überdenken. “Die Unterstützung Europas ist auch ein Grund, weshalb viele Diktatoren weiter an der Macht bleiben”, so Youssef.

Gewinner der Bobs Awards 2016 verkündet!


Jury

Die internationale Jury der Bobs und die User haben ihre Entscheidung gefällt.

Die diesjährigen Jury-Preisträger sind:

Citizen Journalism: „Razor’s Edge“, Bangladesch

Die Dokumentation „Razor’s Edge“ des 35-jährigen Filmemachers Nastiker Dharmakatha – ein Künstlername, der übersetzt „Religiöse Ansprache eines Atheisten“ bedeutet beleuchtet die dramatische Situation atheistischer und säkularer Blogger in Bangladesch. Der Film belegt eindrucksvoll, dass selbst hochrangige Politiker des Landes die brutalen Morde an Aktivisten durch islamistische Milizen unterstützen oder verharmlosen.

Rafida Bonya Ahmed, neue Jurorin bei The Bobs und Witwe des 2015 in der bengalischen Hauptstadt Dhaka ermordeten Bloggers Avijit Roy, sagte: „Die Auszeichnung eines Projekts aus Bangladesch zum zweiten Mal in Folge ist ein Beleg dafür, dass sich die Lage vor Ort nicht verbessert hat, sondern sich weiter dramatisch verschlechtert. Allein in den vergangenen fünf Wochen gab es vier tödliche Angriffe. Säkulare Aktivisten, Schriftsteller, Blogger, Lehrer und Angehörige von Minderheiten sind nirgendwo mehr sicher.“

Tech for Good: „Gershad“, Iran

Die App „Gershad“ verzeichnet die aktuellen Aufenthaltsorte der iranischen Sittenpolizei und dient als mobiles Frühwarnsystem, um ihr aus dem Weg gehen zu können. Die Nutzer selbst melden die Standorte – die Anwendung funktioniert im Prinzip wie Apps, die Autofahrer vor Radarfallen warnen. Die anonym agierenden Initiatoren sagten nach der Benachrichtigung durch Jurorin Golnaz Esfandiari: „Dieser Preis gebührt den Nutzern unserer App. Er hat zweifelsohne eine starke positive Wirkung auf die Menschen in Iran, die Begegnungen mit der Sittenpolizei vermeiden. Gershad ist mehr als eine crowd-sourced App. Gershad ist auch der Beginn eines Dialogs über die willkürlichen Praktiken der Sittenpolizei und über die dringende Notwendigkeit, die Bürgerrechte im Iran zu stärken.“

Social Change: „Stop Acid Attacks“, Indien

„Stop Acid Attacks“ ist eine Kampagne gegen die Indien weit verbreiteten Säureattacken gegen Frauen. Sie klärt auf und schlägt eine Brücke zwischen der Gesellschaft und den Opfern, die sich zumeist vollständig isolieren und in Einsamkeit leben. Mit Hilfe dieseser Kampagne wurde das Café “Sheroes’ Hangout” ins Leben gerufen. Dort haben Opfer von Säureangriffen einen Ort gefunden, an dem sie unabhängig arbeiten und leben können.

Arts & Culture: „Zentrum für politische Schönheit“, Deutschland

Das Zentrum für politische Schönheit organisiert politische Aktionskunst zwischen Kunst und Politik, die aufrütteln und zum Widerstand aufrufen soll. Mit dem Projekt „Die Toten kommen“ protestierten die Organisatoren 2015 gegen die Folgen der europäischen Flüchtlingspolitik und erinnerten an die Menschen, die auf ihrer Flucht an den Außengrenzen Europas sterben.

Und hier ist die Übersicht aller Jury- und User-Gewinner der Bobs 2016.

Die Preisverleihung  für die vier Jury-Preisträger findet in Bonn im Rahmen des Deutsche Welle Global Media Forums (13. – 15. Juni) statt.

Wir gratulieren allen Gewinnern und danken der Jury und allen Menschen, die sich an der Abstimmung beteiligt haben. Stay awesome!

 

Sedat Ergin erhält den DW Freedom of Speech Award 2016


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Wir gratulieren Sedat Ergin, Chefredakteur der türkischen Tageszeitung “Hürriyet”, zur Auszeichnung mit den Freedom of Speech Award der Deutschen Welle. Ergin steht in der Türkei wegen seiner Berichterstattung unter Anklage. Der Chefredakteur der auflagenstärksten unabhängigen türkischen Tageszeitung “Hürriyet” ist nach Ansicht von DW-Intendant Peter Limbourg ein würdiger Preisträger: “Sedat Ergin und seine Kollegen müssen jeden Tag für ihren unabhängigen Journalismus und die Pressefreiheit kämpfen und gehen dafür ein beachtliches Risiko ein.” Dafür gebühre ihm der von der Deutschen Welle ausgelobte Preis – stellvertretend für Hunderte von Journalisten in der Türkei, die unter ähnlich schwierigen Bedingungen arbeiten müssen.

Mehr Informationen auf dw.com.

Kleiner Hinweis zum Voting!


Liebe User, wie wir in den letzten Jahren festgestellt haben, sind die Bobs immer wieder Ziel engagierter Angriffe gewesen – mit dem Ziel, das Wahlergebnis zu beeinflussen.

Diese Manipulationsversuche wollen wir verhindern. Aus diesem Grund werden verdächtig erscheinende Votes zwar auf der Startseite mitgezählt, aber zunächst nicht den einzelnen Kandidaten zugerechnet. Wir unterziehen diese Votes einer technischen Prüfung und führen sie dann, wenn sie in Ordnung sind, wieder den entsprechenden Kandidaten zu.

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